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Das Entsorgungskonzept mit Standortzwischenlager

Nach dem Entsorgungskonzept für Kernkraftwerke sollen radioaktive Abfälle aus kerntechnischen Anlagen in Endlagern unbefristet und sicher eingeschlossen werden. Bis es soweit ist, wurden abgebrannte Brennelemente entweder einer Wiederaufarbeitung im Ausland (bis 30.06.2005) zugeführt oder zwischengelagert. Hierzu dienten bisher die beiden zentralen Zwischenlager in Ahaus (NRW) und Gorleben (Niedersachsen).

Um die Transporte dahin zu minimieren, musste auf Grund gesetzlicher Vorgaben der Bundesregierung die Möglichkeit geschaffen werden, abgebrannte Brennelemente am Kraftwerksstandort zwischen zu lagern. Aus diesem Grund haben wir das SZL errichtet, das die Brennelemente aus den beiden Kraftwerksblöcken des Kernkraftwerks Gundremmingen bis zu ihrem Transport in ein Endlager in spätestens 40 Jahren aufnehmen wird.

Das Standortzwischenlager Gundremmingen

Für das SZL haben der Kraftwerksbetreiber, die Kernkraftwerk Gundremmingen GmbH, und die beiden Gesellschafter, RWE Power AG und PreussenElektra GmbH, am 25.02.2000 bei der zuständigen Behörde, dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter, die für den Betrieb des Zwischenlagers notwendige atomrechtliche Aufbewahrungsgenehmigung beantragt. Nach Überprüfung der Unterlagen, Beauftragung und Auswertung externer Gutachten und Anhörung von Verbänden und öffentlichen Institutionen und der Überprüfung und Beantwortung von Einwendungen erteilte das BfS am 19.12.2003 die atomrechtliche Genehmigung.

Da für die Errichtung des Gebäudes eine Baugenehmigung erforderlich ist, wurde am 03.04.2001 bei der Baubehörde ein entsprechender Antrag gestellt. Am 28.06.2004 hatte das Landratsamt Günzburg auf Grundlage einer positiven Stellungnahme des BfS und weiterer Gutachten die baurechtliche Genehmigung zur Errichtung des neuen Standortzwischenlagers erteilt.

Am 23.08.2004 folgte auch schon der erste Spatenstich. Im August 2006 wurde nach einer rund 2-jährigen Bauzeit das Standortzwischenlager Gundremmingen fertig gestellt und in Betrieb genommen. Ein Großteil des Bauauftragsvolumens von rund 30 Millionen Euro kam dabei den Unternehmen in der Region zugute.

Das Lagergebäude

Das Lagergebäude befindet sich am nördlichen Kraftwerkszaun auf dem Betriebsgelände des Kernkraftwerks Gundremmingen. Es befindet sich circa 150 Meter vom Reaktorgebäude entfernt. Dadurch ist der Transportweg extrem kurz und öffentliche Verkehrswege müssen nicht genutzt werden.

Das SZL ist 104 Meter lang, 38 Meter breit und 18 Meter hoch. Das Gebäude gleicht von außen einer gewöhnlichen Industriehalle, ist aber mit seinen 0,85 Meter starken Außenwänden und dem 0,55 Meter dicken Dach - beide aus Stahlbeton - eine äußerst robuste Konstruktion.

Das Zwischenlager bietet 192 CASTOR-Behältern mit abgebrannten Brennelementen Platz. Damit ist die Hallengröße so bemessen, dass sie in jedem Fall ausreicht: Einerseits für die im bereits gefüllten Abklingbecken befindlichen Brennelemente aus dem zurückliegenden Betrieb des Kraftwerks. Andererseits für jene Brennelemente, die während der verbleibenden, heute geplanten Betriebsdauer noch anfallen.

Die Brennelemente im Zwischenlager

Im Kernkraftwerk Gundremmingen wird während der jährlichen Anlagenrevision ein bestimmter Anteil abgebrannter Brennelemente durch neue ersetzt. Nachdem die Brennelemente den Reaktor verlassen haben, nimmt ihre Wärmeleistung mit der Zeit immer weiter ab. Sie werden deshalb in das so genannte Abklingbecken innerhalb des Reaktorgebäudes gebracht. Dort bleiben sie mindestens fünf Jahre bevor sie in CASTORŪV/52-Behälter geladen und ins Standortzwischenlager eingebracht werden.

Der Betriebsablauf

Der mit abgebrannten Brennelementen beladene CASTORŪV/52-Behälter wird auf dem kraftwerksinternen Schienenweg zum SZL transportiert. nach erfolgter Eingangskontrolle wird der Behälter in den Empfangsbereich des Lagergebäudes gefahren und für die Einlagerung vorbereitet. Das Strahlenschutzpersonal führt das erforderliche Messprogramm am Behälter durch. Behälterspezifische Prüfvorschriften regeln die Durchführung und Auswertung der Messungen, die anschließend dokumentiert werden. Danach wird der Behälter mit dem Lagerhallenkran in den Lagerbereich transportiert, auf die vorgesehene Position abgesetzt und an das Behälterüberwachungssystem angeschlosssen.

Die radioaktive Verträglichkeit

Auch für die Menschen, die in der umliegenden Region des Kraftwerks leben, ist die zusätzliche Strahlenexposition vernachlässigbar. Dies gilt auch bei vollständig gefülltem Zwischenlager. Selbst wenn man sich ein ganzes Jahr unmittelbar am Zaun aufhielte, wäre die zusätzliche Strahlenexposition von 0,1 Millisievert sehr klein. Diese Größe entspricht etwa einer einfachen Röntgenaufnahme. Die durchschnittliche natürliche Strahlenexposition in Deutschland, der jeder Mensch ausgesetzt ist, beträgt 2,4 Millisievert pro Jahr. Auch im Innern des Gebäudes ist die Belastung so gering, dass die Betriebsmannschaft dort gefahrlos arbeiten kann. Die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung werden dabei weit unterschritten. Die Menschen, die im Kraftwerk arbeiten, haben viel Erfahrung und sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Sie arbeiten hautnah mit einer ausgereiften und bewährten Technik, auf die man auch in Gundremmingen vertrauen kann.

Das Sicherheitskonzept - CASTORŪV/52

Der Kern des Sicherheitskonzepts des SZL heißt CASTORŪV/52, ein Spezialbehälter für abgebrannte Brennelemente. Dieser für Gundremmingen vorgesehene Behältertyp kann 52 Brennelemente aufnehmen und hat seine Sicherheit in der Vergangenheit bereits unter Beweis gestellt. Er schirmt die Strahlung der abgebrannten Brennelemente so gut ab, dass man sich auch in unmittelbarer Nähe des CASTORŪV/52 gefahrlos aufhalten kann. Eine weitere Reduktion der Strahlenexposition erfolgt durch die massiven Betonwände des Lagers.

Die Konstruktion des CASTORŪV/52 und die besonderen Eigenschaften der verwendeten Materialien haben sich seit Jahren sowohl beim Transport von ausgedienten Brennelementen als auch für deren Zwischenlagerung bestens bewährt. Die Sicherheit des CASTORŪV/52 wurde in zahlreichen Tests nachgewiesen. Er muss z.B. einen Sturz aus neun Metern Höhe auf ein unnachgiebiges Fundament aushalten und ein Feuer bei einer Temperatur von mindestens 800 °C unbeschadet überstehen. Außerdem ist gesichert, dass der CASTORŪV/52 einem Erdbeben genauso standhält wie einem Flugzeugabsturz.