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Presse-Gespräch

04.02.2009

Kernkraftwerk Gundremmingen: Rückblick 2008 Vorschau 2009
Statement Dr. Helmut Bläsig, technischer Geschäftsführer:
Es gilt das gesprochene Wort
* Hohe Verfügbarkeit, gutes Produktionsergebnis

* Umfassende Sicherheitsüberprüfung bestätigt hohen
Sicherheitsstandard der Anlage

* Stromerzeugung aus Kernkraft muss tragende Säule
im Energiemix bleiben


Für ein Kernkraftwerk gilt: je normaler und ruhiger der Betrieb, desto besser. Insofern war 2008 ein sehr gutes Jahr. Und für 2009 erwarten wir die gleiche Konstanz. Besonders freuen wir uns auf das Betriebsjubiläum der Blöcke B und C, die 1984 in Betrieb gegangen sind. Die offizielle Festveranstaltung, zu der ich Sie schon jetzt herzlich einlade, findet am 13. März 2009 im Günzburger Forum statt. Am 12. Juli werden wir auf unserem Sportgelände beim Kraftwerk ein Nachbarschaftsfest für die Menschen aus der Region veranstalten.

Die aktuelle Diskussion über die Versorgungssicherheit zeigt erneut, dass wir uns einen Ausstieg aus unserem über viele Jahrzehnte bewährten Energieversorgungsmix in Deutschland nicht leisten können.
Um ihn beizubehalten, brauchen wir zuverlässige und sichere Kernkraftwerke. Hierzu leisten wir unseren Beitrag. Mit einer durchschnittlichen Verfügbarkeit beider Blöcke von über 87 Prozent hat unser Kraftwerk 2008 rund 20,6 Milliarden Kilowattstunden Strom umweltfreundlich und klimaschonend erzeugt. Das ist auch im internationalen Vergleich ein Spitzenwert. Zur Stromerzeugung in Bayern haben wir mit 27 Prozent beigetragen.
Der Umwelt wurden dadurch etwa 20 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) erspart. Um einen ähnlichen Effekt zu erzielen, müssten alle knapp sieben Millionen in Bayern zugelassenen PKW fast eineinviertel Jahre still stehen.

Für Revisionen, Wiederkehrende Prüfungen, Modernisierungen, Anlagenoptimierungen, vorbeugende Instandhaltungen und den Austausch von insgesamt 425 Brennelementen in beiden Blöcken haben wir 2008 über 60 Millionen Euro (ohne Brennstoffkosten) aufgewendet.

Sicherheitsüberprüfung bestätigt überdurchschnittliches Sicherheitsniveau der Gundremminger Blöcke Standard kontinuierlich erhöht

2005 haben wir eine inzwischen im Atomgesetz vorgeschriebene, neuerliche Periodische Sicherheitsüberprüfung (PSÜ) begonnen, die 2007 termingerecht abgeschlossen und anschließend begutachtet wurde. Diese PSÜ baute auf den bei uns bereits Anfang der 90er Jahre und 1995 bis 1997 erfolgten Sicherheitsüberprüfungen auf. Alle Optimierungsempfehlungen aus diesen Sicherheitsüberprüfungen wurden zeitnah umgesetzt.
Zur aktuellen PSÜ hat der behördlich beauftragte Gutachter im Laufe des vergangenen Jahres seine Ergebnisse zum Sicherheitszustand der Gesamtanlage an die Behörde übermittelt. Resultat: Er bestätigt uns die vollständige Einhaltung aller Anforderungen an die Schutzziele:
sichere Kernkühlung,
sichere Nachwärmeableitung,
sichere Unterbrechung der Kernspaltung und
sicherer Einschluss der Radioaktivität im Sicherheitsbehälter.

Mit der PSÜ, die für alle deutschen Kernkraftwerke alle zehn Jahre vorgeschrieben ist, wird zusätzlich zur laufenden behördlichen Aufsicht der Sicherheitsstatus der Anlage in seiner Gänze erhoben und gegebenenfalls eine Beurteilungsgrundlage für die Notwendigkeit oder Dringlichkeit von Sicherheitsverbesserungen beziehungsweise -optimierungen geschaffen. Gleichzeitig soll sie die Wahrscheinlichkeit über den Eintritt von Störfallereignissen abschätzen beziehungsweise berechnen. Hierbei gelten als Vergleichsmaßstab die Zielwerte der Internationalen Atomenergiebehörde der UN in Wien (IAEA) für die Sicherheit bestehender oder neuer Kernkraftwerke.
Das Ergebnis ist für unseren Standort sehr erfreulich ausgefallen: Beide Anlagen liegen auf einem messbar höheren Sicherheitsniveau, als es von der IAEA sogar für Neuanlagen empfohlen wird. Dies ist ganz wesentlich neben der Technik - auch ein Verdienst unserer Betriebsmannschaft, die darauf mit Recht stolz sein darf!
Einen ausführlichen Bericht hierzu, wie wir ihn auch in unserem Internet veröffentlichen werden, finden Sie in Ihrer Pressemappe.
Aber das ist kein Grund, selbstzufrieden die Hände in den Schoß zu legen. Zusätzliche Maßnahmen, die die Beherrschung von Störfällen mit sehr geringer Eintrittshäufigkeit weiter verbessern, sind mit der Aufsichtsbehörde besprochen und laufen bereits.

Block B: Stromproduktion von 10,2 Milliarden Kilowattstunden
Lassen Sie mich kurz auf das Betriebsgeschehen im Einzelnen eingehen: Block B erzeugte 2008 in 7.568 Betriebsstunden bei einer Verfügbarkeit von 86,2 Prozent 10,2 Milliarden Kilowattstunden; rund acht Prozent weniger als im Rekordjahr. Der Grund: Zum einen hatten wir im Sommer vom 15. Juni bis 29. Juli die umfangreichste Jahresrevision in der Betriebsgeschichte, unter anderem mit Arbeiten an der Turbine sowie der aufwändigen Druckprüfung des Reaktordruckbehälters. Zum anderen ist der Block am Jahresanfang zur Reparatur einer Dampfleitung in einer der beiden Niederdruckturbinen für sechs Tage abgeschaltet worden. Größere Leistungsabsenkungen gab es in erster Linie zur Durchführung zwingend vorgeschriebener Wiederkehrender Prüfungen im Frühjahr und im Herbst.

Aktuell arbeitet der Block im Volllastbetrieb, durchschnittlich etwa 1.370 Megawatt. Bis gestern (3.2.) hat der Block rund 1,1 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von über 300.000 Haushalten. Im Sommer wird Block B zur Revision für bis zu vier Wochen vom Netz gehen. Geplant sind neben dem Austausch von Brennelementen und der Überprüfung von Brennelementkästen zahlreiche vorbeugende Instandhaltungsarbeiten sowie Prüfungen an Rohren, Verbindungsstücken, Behältern und Armaturen. Ab März sollen drei CASTORen mit 156 verbrauchten Brennelementen beladen und ins Standortzwischenlager gebracht werden.

Block C: 2008 mit identischen Produktionszahlen wie 2007
Bei einer Verfügbarkeit von 88,1 Prozent produzierte Block C 2008 genauso viel Strom wie 2007, nämlich 10,4 Milliarden Kilowattstunden. Die Anlage stand außer zur planmäßigen Revision (28. September - 11. November) durchgehend zur Verfügung.
Seit 11. November läuft Block C im bestimmungsgemäßen Leistungsbetrieb mit maximal möglicher Leistung, durchschnittlich ebenfalls etwa 1.370 Megawatt.

In den fünf Wochen dieses Jahres produzierte der Block ebenfalls rund 1,1 Milliarden Kilowattstunden.
Im Herbst ist für Block C die nächste umfangreiche Jahresrevision geplant.


Standortzwischenlager
Wie Sie wissen, hat das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) Ende November letzten Jahres die Verfassungsbeschwerden gegen unser Standortzwischenlager verworfen. Damit haben wir endgültig die Rechtmäßigkeit von Genehmigung und Betrieb des Standortzwischenlagers in Gundremmingen auch durch das höchste deutsche Gericht bestätigt bekommen. Wir begrüßen diese Entscheidung, da nun für alle Beteiligten Rechtssicherheit gegeben ist. Die Richter haben in ihrem Beschluss erneut festgestellt, dass der Betrieb von Kernkraftwerken und Zwischenlagern mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Am 2. Februar hat die erste CASTOR-Beladekampagne in Block C begonnen. Gleich anschließend ist in Block B im März eine weitere Beladekampagne für drei CASTORen mit nochmals 156 Brennelementen geplant. Im Herbst folgt eine dritte Kampagne nochmals in Block C mit ebenfalls drei CASTORen. Am Jahresende sollen dann 26 CASTORen im Standortzwischenlager stehen, aktuell sind es 17.

Alle meldepflichtigen Ereignisse auf Stufe 0 der INES-Skala
2008 haben wir unserer Aufsichtsbehörde, dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, gesetzeskonform drei Vorkommnisse für Block B und vier für Block C als meldepflichtige Ereignisse angezeigt. Alle Vorkommnisse wurden nach der siebenstelligen Internationalen Nuklearen Ereignisskala (INES) unterhalb der Skala in der niedrigsten Stufe 0 (keine oder geringe sicherheitstechnische Bedeutung) eingeordnet. Gemäß dem deutschen Meldesystem fielen alle unter die Kategorie N (normal).

Abgabe radioaktiver Stoffe
Die kontinuierliche strahlenhygienische Überwachung des Kraftwerks und der Umgebung, die wir rund um die Uhr vornehmen, hat für uns höchste Bedeutung. Das betone ich ausdrücklich. Und ich füge hinzu: Wer sich sachlich mit dem Thema auseinandersetzen, die Bevölkerung aufklären und nicht verunsichern will, der sollte auf irreführende Zahlenspielereien verzichten. Fakt ist: Die von unseren Kraftwerken abgegebenen Emissionen unterschreiten die zulässigen Grenzwerte jederzeit deutlich. Um das einmal einzuordnen: Bei jeder längeren Reise im Flugzeug werden die Passagiere einer deutlich höheren Strahlung ausgesetzt, als dies durch unsere Gesamtemissionen verursacht wird.
Die stündlich aktualisierten Mittelwerte der kontinuierlich erfassten Umgebungsstrahlung, die aus 21 Messungen an 17 behördlichen Messstandorten rund um das Kernkraftwerk erhoben werden, sind im Internet über die Seiten des Landesamtes für Umweltschutz unter http://inters.bayern.de/kfue/station_kfue.htm jederzeit einzusehen. Dort ist nachzulesen, dass die Abgabe radioaktiver Stoffe wie Edelgase, Jod oder Aerosole an die Umgebung im vergangenen Jahr jeweils zwischen einem halben und zwei zehntausendstel Prozent jederzeit deutlich unter den behördlich festgelegten Grenzwerten gelegen haben. Die Tritiumwerte lagen zwischen 2,5 und 9 Prozent der behördlichen Genehmigungswerte. Die gemessene und behördlich überwachte effektive natürliche Jahresdosis am Kraftwerkszaun beträgt 0,5 bis 0,9 Milli-Sievert pro Jahr (mSv/a). Ein Einfluss des Kraftwerks ist nicht erkennbar. Zum Vergleich: Die jährliche effektive Dosis aus der natürlichen Strahlung in Deutschland liegt bei durchschnittlich 2,1 Milli-Sievert pro Jahr.

Rückbau Block A und Bau des Technologiezentrums liegen gut im Plan
Die Rückbauarbeiten im Reaktorgebäude des 1977 stillgelegten Block A haben wir 2008 mit der Demontage von Rohrleitungs- und Kabelsystemen sowie der Dekontamination von Gebäudestrukturen planmäßig fortgesetzt. Durch Abtrag der Betonoberflächen mit einem Stahlkies-Strahlverfahren können wir das zu entsorgende kontaminierte Restmaterial deutlich reduzieren. Die Entfernung der Edelstahlverkleidung des ehemaligen Brennelement-Lagerbeckens ist abgeschlossen. 2008 wurden rund 190 Tonnen Metalle und Beton nach dem Abbau verarbeitet, seit 1983 sind es knapp 9.300 Tonnen. Davon konnten über 90 Prozent nach der Dekontamination in den normalen Wertstoffkreislauf zurückgeführt werden. Das restliche Material aus schwach- und mittelaktiven, nicht Wärme entwickelnden radioaktiven Reststoffen wird für die Einlagerung im künftigen Endlager Schacht Konrad vorbereitet. Dafür haben wir eine speziell entwickelte Konditionierungsanlage zur Verfestigung flüssiger Reststoffe in Betrieb genommen.

Technologiezentrum
Parallel zum Rückbau von Block A entsteht im ehemaligen Maschinenhausbereich ein Technologiezentrum. Dort sollen die in den vergangenen mehr als zwei Jahrzehnten gesammelten Erfahrungen und Techniken aus dem Rückbau genutzt, aber auch Kraftwerkskomponenten instand gehalten und Spezialwerkzeuge entwickelt, gebaut und gelagert werden. Die elektrotechnischen Anlagen und die Leittechnik sind schon in Betrieb; die Erneuerung der nuklearen Lüftungsanlage ist zum Teil fertiggestellt, und der Ersatz der Brandmeldeanlage wird dieses Jahr in Angriff genommen. Zusätzliche radioaktive Belastung wird es nicht geben. Etwa 25 Mitarbeiter werden im Technologiezentrum beschäftigt.

An der Kernenergie führt kein Weg vorbei
Gestatten Sie mir zum Abschluss ein Wort zur Kernenergie generell. Die Gaskrise hat Europa an seine Achillesferse erinnert. Die EU ist mittlerweile zwar die größte Volkswirtschaft der Welt, zugleich aber in ihrer Energieversorgung weitgehend auf Importe angewiesen. Heute werden mehr als 50 Prozent des europäischen Energieverbrauchs aus Einfuhren gedeckt, beim Gas sind es mehr als 60 Prozent. Nach einer Schätzung, die die EU-Kommission erst im April vergangenen Jahres erstellen ließ, wird der Importanteil bis 2030 wahrscheinlich auf mehr als 70 Prozent steigen. Das zeigt ganz deutlich: Wer einseitig auf einen Energieträger setzt, gefährdet den Industriestandort Deutschland und macht sich erpressbar.
Auch wenn es altmodisch klingen mag: Ein breiter Energiemix ist ein wirksamer Schutzschild. Er bietet die beste Gewähr für eine zuverlässige, wirtschaftliche und klimafreundliche Stromversorgung.

Das heißt für uns in Deutschland: Neben dem Ausbau der Windenergie und der Biomasse müssen Kernenergie und Kohle weiterhin eine wichtige Säule in unserem Portfolio bleiben.

Das belegt auch ein einfacher Blick auf die Stromerzeugung in Deutschland. 67 Prozent sind im vergangenen Jahr auf Basis von Kernenergie (23,2 Prozent) und Kohle (23,4 Prozent Braunkohle, 20,5 Prozent Steinkohle) erzeugt worden. Das sind aber reine Durchschnittswerte. In Phasen mit extrem niedrigen Temperaturen oder lang anhaltenden Hitzeperioden sieht die Bilanz vollkommen anders aus, weil der Unterschied zwischen installierter Leistung und erzeugtem Strom gerne vergessen wird. Ich mache das an einem Beispiel fest: Am 8. Januar hat die Windenergie, die in Deutschland zurzeit eine installierte Leistung von über 23.000 Megawatt hat (das ist mehr als die Kernenergie mit rund 21.400 Megawatt), nur mit weniger als 900 Megawatt Leistung (= 3,9 Prozent!) zur Stromproduktion beitragen können. Das liegt eben daran, dass bei einem stabilen Hoch in der Regel Windstille vorherrscht. Wer aber für die Zukunft nur auf Erdgas und Erneuerbare setzen will, unterschätzt dieses Problem.

Rund 50 Prozent der Grundlast also der Strom, der 24 Stunden am Tag, 365 Tage pro Jahr benötigt wird kommt aus Kernkraftwerken. In Bayern sind es sogar über 80 Prozent. Zunehmend geraten Kohlekraftwerke unter Druck durch mangelnde
Akzeptanz vor Ort, aber auch durch die EU-Beschlüsse zum Emissionshandel. Eine Versorgungslücke droht - das hat ja auch die Deutsche Energieagentur (dena) im vergangenen Jahr vorgerechnet. Vor diesem Hintergrund halten wir einen Ausstieg aus der Kernenergie für widersinnig. International betrachtet sind wir längst Außenseiter und nicht Vorreiter! Schauen Sie nur zum Beispiel auf die Entwicklung in Großbritannien. Aus unserer Sicht ist es deshalb zwingend, in Deutschland das energiepolitische Zieldreieck aus Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Umweltverträglichkeit wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dazu bedarf es einer sachlichen Diskussion, bei der alle Argumente abgewogen werden. Wir sind dazu bereit.

 




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