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Kernkraftwerk Gundremmingen stellt neues Strahlenschutz-Messfahrzeug offiziell in Dienst

10.09.2009

- Emil Rapp misst im Auftrag der Umwelt die Strahlenhygiene in der Kraftwerksumgebung

Von Außen sieht man dem neuen, dunkelgrau-metallic-farbenen VW-Bus weder die Wichtigkeit seiner Funktion noch die exklusive technische Ausstattung im Innern an. Nach einem halben Jahr Probebetrieb und Ausstattungs-Optimierung wurde nun das geländegängige, allradgetriebene neue Umgebungsüberwachungsfahrzeug des Kernkraftwerks Gundremmingen in Dienst gestellt. Stolzer Fahrer des neuen VW-Bus Caravelle ist Emil Rapp, Leiter des Umgebungsüberwachungslabors. Um die teilweise schwer zugänglichen Messpunkte in bis zu 10 Kilometer Umkreis um das Kraftwerk bei jedem Wetter erreichen zu können, hat das Fahrzeug mit einem 3,2-Liter-V6-Motor und 230 PS ordentliche Power unter der Haube.
Die technische Aufrüstung zu einem den gesetzlichen Auflagen genügenden Messfahrzeug haben zwei Firmen in der Region übernommen. Neben einem eigenen mobilen 220-Volt-Generator zur Versorgung des 220 Volt-Bordnetzes, und zur Aufladung einer zusätzlichen Batterie mit gekoppeltem Wechselrichter für die 220-Volt-Versorgung, wurden zur Probennahme und für die Messungen verschiedene Probensammler, Dosisleistungsmessgeräte, Aerosolmonitore zur Luftbeprobung, Probennahmehilfsmittel, z. B. zur Wasser- und Bodenprobennahme, eingebaut. Um die Hilfsmittel und persönliche Schutzausrüstungen sowie die entnommenen Proben sicher verstauen zu können, wurde das Fahrzeug mit zahlreichen Schränken, speziellen Transporteinrichtungen für die Messproben und einem großen Dachträger ausgestattet. Für die sichere Orientierung zu den Messpunkten und Probenentnahmestellen stehen entsprechend dem kerntechnischen Sicherheitsprinzip (immer zwei Systeme für eine Anwendung) zwei Navigationssysteme (Mobilgerät und Laptop mit topografischen Karten) sowie ein Kartentisch mit unterlegter topographischer Karte und eine Fotodokumentation der Messpunkte zur Verfügung. Zusätzlich sind ein Radio, ein Funkgerät (Kraftwerksfunk) mit Kommunikation zu Warte, Feuerwehr, und gegebenenfalls externen Einsatzkräften sowie ein Mobilfunkhandy mit 5-Megapixel-Kamera und Bluetooth-Freisprecheinrichtung an Bord.
Im Endzustand hat das Kernkraftwerk Gundremmingen rund 60.000 Euro für das neue Umweltschutzfahrzeug aufgewendet. Mit kompletter Ausrüstung bestückt ist es über 100.000 Euro wert. Es ist das vierte Spezialfahrzeug seit Bestehen des Standortes, denn die konsequente strahlenschutztechnische Umgebungsüberwachung begann mit dem Betrieb von Block A Mitte der 60´er Jahre. Für das Kernkraftwerk Gundremmingen hat die Sicherheit von Mensch und Umwelt schon immer oberste Priorität. Daher prüfen hoch qualifizierte Strahlenschutzfachleute nach einem festgelegten Arbeitsplan täglich mit Hightech-Messverfahren das Umfeld des Kernkraftwerks Gundremmingen in einem Umkreis von 10 km auf mögliche umweltbelastende Stoffe.
Mit dem Bau der beiden neuen Kraftwerksblöcke und des Standortzwischenlagers wurde das Umgebungsmessprogramm kontinuierlich entsprechend den gesetzlichen Vorgaben angepasst und erweitert. Start des gegenwärtigen Messprogramms war 1982 - also zwei Jahre vor der Inbetriebnahme der Blöcke B und C – mit dem Ziel, zur sogenannten Beweissicherung eine Vergleichsbasis für die späteren, bis heute laufenden Messungen zu dokumentieren. Die Messbilanz: Seit Inbetriebnahme des Kraftwerks gab es durch das Kernkraftwerk Gundremmingen keinen messbaren Anstieg der radioaktiven Werte im Umfeld der Anlage. Das belegen die Messergebnisse im Vergleich zu den vor 27 Jahren erfassten Basiswerten. Auch sonstige negative Auswirkungen des Kraftwerks auf die Umgebung konnten im Rahmen einer auf 25 Jahre angelegten, behördlich geforderten ökologischen Langzeituntersuchung durch ein unabhängiges Untersuchungsbüro nicht festgestellt werden.

Das Kernkraftwerk Gundremmingen führt - neben den Messprogrammen unabhängiger Messinstitute, wie denen des Landesamts für Umwelt in Augsburg oder der Universität Regensburg - eigene Umweltmessungen durch. Diese Messprogramme erfolgen auf der Grundlage der Richtlinie des Bundesumweltministeriums zur Emissions- und Immissionsüberwachung. Die korrekte Umsetzung dieser kraftwerkseigenen Messprogramme wird ebenfalls vom Landesamt für Umwelt (LfU) überwacht.
Neben der Erfassung der sogenannten natürlichen Radioaktivität, die sich aufgrund natürlicher Prozesse und Stoffe immer in der Umwelt befindet, sammelt das Strahlenschutz-Messfahrzeug mit seinen zahlreichen Überwachungsmessungen Daten zur Strahlenhygiene in der Luft, Wasser und Boden, um auszuschließen, dass der Betrieb der Anlage Auswirkungen auf die Flora und Fauna der Umgebung hat.
Bei der Erfassung der wesentlichen Kennwerte setzt das Kernkraftwerk Gundremmingen verschiedene komplexe Methoden und Messgeräte ein: „In Sicherheit können wir gar nicht genug investieren. Schließlich liegt der Schutz von Mensch und Umwelt in unserer Verantwortung. Das nehmen wir sehr ernst“, so Martin Bechtel, Leiter der Abteilung Strahlenschutz. So wird beispielsweise die Umgebungsluft durch feinste Hightech-Filter in eigens errichtete Messhäuser geleitet. Selbst minimale Spuren sind damit durch das Ausmessen der Filter nachweisbar.
Ob im Wasser, in der Luft, im Boden, der Fauna oder in der Nahrungskette: Die Umgebung des Kraftwerksgeländes wird regelmäßig, sorgfältig und präzise auf abgeleitete radioaktive Stoffe von der sensiblen Messtechnik erfasst, die selbst geringste Mikrospuren an Stellen in der Umwelt, wo sich bevorzugt radioaktive Stoffe ansammeln können wie z.B. im Sediment, feststellen würde.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Alle vom Betreiber und den unabhängigen Messstellen erfassten ca. 2000 radiologischen Messwerte pro Jahr an über 100 Messpunkten und Probeentnahmestellen werden von der zuständigen Landesbehörde, dem Landesamt für Umwelt in Augsburg, geprüft. Strengste Kontrollen gelten zudem auch für alle Ableitungen aus dem Kraftwerk. „Luft- und Wasserabgaben werden rund um die Uhr auf Radioaktivität hin überwacht und quantitativ gemessen“, so Bechtel. Und weiter: „Die von unserem Kraftwerk abgegebenen Emissionen unterschreiten die zulässigen Grenzwerte jederzeit deutlich und betragen größtenteils etwa zwischen einem halben und zwei zehntausendstel Prozent des behördlich festgelegten Grenzwertes.“
Das Kernreaktor-Fernüberwachungssystem sorgt zudem dafür, dass die Daten online an die zuständige Aufsichtsbehörde übermittelt werden und mit deren eigenen unabhängigen Ergebnissen abgeglichen werden – sicher ist sicher. Zusätzlich werden die stündlich aktualisierten Mittelwerte der kontinuierlich erfassten Umgebungsstrahlung, die aus 21 Messungen an 17 behördlichen Messstandorten rund um das Kernkraftwerk erhoben werden, im Internet über die Seiten des Landesamtes für Umweltschutz unter http://inters.bayern.de/kfue/station_kfue.htm veröffentlicht und sind für die Öffentlichkeit jederzeit einzusehen.

 

Rund 100 Jahre Strahlenschutz- und Umgebungsüberwachungskompetenz (v.l.): Martin Bechtel, Leiter Strahlenschutz im Kernkraftwerk Gundremmingen, Emil Rapp, Leiter Umgebungsüberwachungslabor, und Reinhard Wilms, Leiter Umgebungsüberwachung, bei der Indienststellung des neuen Strahlenschutz-Messfahrzeugs bei den Aislinger Seen. Mit dem vierradgetriebenen VW-Bus, der mit kompletter Ausstattung über 100.000 Euro wert ist, wird kontinuierlich die Umgebung des Kraftwerks in 10 Kilometer Umkreis überwacht. Dazu gibt es 100 Messpunkte und Probennahmestellen und 17 feste Messstationen mit automatischer Messwerterfassung. Insgesamt werden Pro Jahr etwa 2.000 radiologische Messwerte erfasst.
Foto: Kernkraftwerk Gundremmingen, 2009
Emil Rapp (li.), Leiter Umgebungsüberwachungslabor, und Reinhard Wilms, Leiter Umgebungsüberwachung, bei der Wasserprobenentnahme und Bodenmessung bei einem Aislinger Baggersee mit dem neu in Dienst gestellten Strahlenschutz-Messfahrzeug des Kernkraftwerks Gundremmingen
Foto: Kernkraftwerk Gundremmingen, 2009

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