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Jahrespresse-Gespräch 2010

03.02.2010

Statement Dr. Helmut Bläsig,
technischer Geschäftsführer
Gundremmingen, 3. Februar 2010

– Es gilt das gesprochene Wort –


• Jubiläumsjahr mit Weltrekord: Block B produziert als erster Siedewasserreaktor der Welt 250 Milliarden Kilowattstunden Strom

• Gundremmingen startet Modernisierungsprogramm und
rüstet sich auch personell für die Zukunft

• Steigende Mitarbeiterzahlen – sinkende Unfallzahlen


Sehr geehrte Damen und Herren,
auch im Namen meines Kollegen Christoph Quick möchte ich Sie zu unserem Jahres-Pressegespräch im Kernkraftwerk Gundremmingen herzlich willkommen heißen. Bevor wir inhaltlich einsteigen, darf ich kurz etwas zu den organisatorischen Dingen sagen:
Zunächst werde ich Ihnen einen Überblick über die betrieblichen Ereignisse geben. Anschließend berichtet Herr Quick über kaufmännische Aspekte.

Bestes Produktionsergebnis seit Betriebsbeginn
2009 war für uns ein besonderes, ein besonders erfreuliches Jahr: Punktgenau zum 25-jährigen Bestehen haben wir einen neuen Produktionsrekord erzielt. Mit über 21,7 Milliarden Kilowattstunden, das sind 5,5 Prozent mehr als 2008, haben wir die alte Bestmarke aus 2006 um 44 Millionen Kilowattstunden übertroffen. Das ist die Folge eines störungsfreien Betriebs beider Blöcke, der nur durch Revisionen planmäßig unterbrochen wurde. Mit dieser Stromproduktion kann der Bedarf von mehr als 6,2 Millionen Durchschnitthaushalten (3.500 kWh/a) gedeckt und zugleich die Atmosphäre um über 21 Millionen Tonnen Kohlendioxid entlastet werden. Zur Orientierung: Um einen vergleichbaren Beitrag zum Klimaschutz zu erreichen, müssten alle 41 Millionen Pkw in Deutschland mindestens drei Monate in der Garage bleiben1.

Unsere Jahresproduktion 2009 entspricht einem rund 30-prozentigen Anteil an der bayerischen Stromerzeugung.

Block B: Erster Siedewasserblock weltweit mit 250 Milliarden Kilowattstunden
Nach dem internen Rekord im alten, folgte gleich ein externer im neuen Jahr: Als erster Siedewasserreaktor der Welt hat unser Block B am 18. Januar 2010 die Marke von 250 Milliarden Kilowattstunden Strom geknackt. Sie können sich vorstellen, wie stolz unsere ganze Mannschaft auf dieses Ergebnis ist! Im Übrigen haben wir im Kopf-an-Kopf-Rennen mit der amerikanischen Doppelblock-Siedewasseranlage Peach Bottom in Pennsylvania jetzt die Nase vorn. Dort wird allerdings schon seit 1973/1974 Strom produziert.

Unser Block B hat allein im vergangenen Jahr 10,9 Milliarden Kilowattstunden Strom produziert; knapp sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verfügbarkeit lag bei 92,6 Prozent. Das heißt: Wir sind fast durchgängig mit Volllast Strich durchgefahren, unterbrochen natürlich von Jahresrevision und Brennstoffnachladung vom 28. Juni bis 24. Juli. Um eine Undichtigkeit der Generatorkühlung zu beheben, war es notwendig, am 14. Oktober Block B für einen Tag vom Netz zu trennen, jedoch den Reaktor nicht abzuschalten. Größere Leistungsabsenkungen gab es zudem wegen vorgeschriebener Wiederkehrender Prüfungen, Arbeiten an Komponenten im laufenden Betrieb oder aufgrund der Marktsituation; hierzu wird Herr Quick gleich ausführlich berichten. Aktuell arbeitet der Block im Volllastbetrieb; wegen der kalten Witterung mit einer durchschnittlichen Generatorleistung von knapp 1.380 Megawatt. Im Sommer wird Block B planmäßig für rund sechs Wochen zur Jahresrevision und für Modernisierungen abgeschaltet.

Betrieb Block C: Stromproduktion von 10,8 Milliarden Kilowattstunden
Rund 10,8 Milliarden Kilowattstunden hat Block C 2009 produziert, bei einer Verfügbarkeit von 91,7 Prozent. Das sind knapp 3,5 Prozent mehr als 2008. Außer der großen Jahresrevision mit Brennelementwechsel zwischen dem 27. September und 27. Oktober 2009 stand die Anlage durchgehend zur Stromproduktion zur Verfügung. Lastabsenkungen ergaben sich aus den Erfordernissen sogenannter Wiederkehrender Prüfungen, Anforderungen durch den Lastverteiler und Arbeiten im laufenden Betrieb. Auch in den ersten Wochen dieses Jahres läuft Block C mit maximal möglicher Leistung, durchschnittlich ebenfalls fast 1.380 Megawatt. Eine bis zu vierwöchige Revision mit Brennelementwechsel sowie Wartungs- und Modernisierungsarbeiten ist für Oktober geplant.

Meldepflichtige Ereignisse alle auf Stufe 0 der INES-Skala
Im vergangenen Jahr haben wir unserer Aufsichtsbehörde, dem Bayerischen Umweltministerium, vier meldepflichtige Ereignisse gemeldet – eins für Block B, drei für Block C. Alle wurden ausnahmslos entsprechend der 1992 eingeführten, siebenstelligen Internationalen Nuklearen Ereignisskala (INES) der niedrigsten Stufe 0 zugeordnet; gemäß dem deutschen Meldesystem wurden sie alle in die Kategorie N (normal) eingestuft. Die Öffentlichkeit haben wir zeitnah auf den Internetseiten unseres Kraftwerks informiert.

Die strahlenschutztechnische Überwachung des Kraftwerks und der Umgebung erfolgt an über 100 Messpunkten und Probeentnahmestellen rund um die Uhr. Hierzu steht uns auch das im vergangenen Jahr neu angeschaffte, hochmoderne Umgebungsüberwachungs- und Strahlungsmessfahrzeug zur Verfügung. Alle von uns und in den unabhängigen Messstellen erfassten cirka 2.000 radiologischen Messwerte pro Jahr werden von der zuständigen Landesbehörde, dem Landesamt für Umwelt in Augsburg, geprüft. Sie belegen, dass die von unserer Anlage abgeleiteten Emissionen über Fortluft wie Edelgase, Jod oder Aerosole die zulässigen Grenzwerte jederzeit deutlich unterschreiten und größtenteils zwischen 0,0, da nicht mehr messbar, und 0,6 Prozent der behördlich festgelegten Grenzwerte betragen. Die Tritiumwerte in Fortluft uns Abwasser lagen zwischen 2,2 und 8,0 Prozent der behördlichen Genehmigungswerte. Zum Vergleich: Jeder längere Ferienflug bedeutet für den Reisenden eine deutlich höhere Strahlendosis als unsere jährlichen Gesamtemissionen im ungünstigsten Fall. Die stündlich aktualisierten Mittelwerte der kontinuierlich erfassten Umgebungsstrahlung, die aus 21 Messungen an 17 behördlichen Messstandorten rund um das Kernkraftwerk erhoben werden, sind natürlich jederzeit im Internet über die Seiten des Landesamtes für Umwelt unter http://inters.bayern.de/kfue/station_kfue.htm einzusehen. Die behördlich überwachte, effektive Jahresdosis in der Umgebung des Kraftwerksstandorts betrug circa fünftausendstel Milli-Sievert (0,005 mSv/a). Da dieser Wert nicht mehr messbar ist, wurde er von der Behörde rechnerisch ermittelt. Zum Vergleich: Die jährliche effektive Dosis aus der natürlichen Strahlung in Deutschland liegt bei durchschnittlich 2,1 Milli-Sievert.

Im Standortzwischenlager stehen jetzt 25 CASTORen
2009 haben wir in drei Beladekampagnen drei CASTORen aus Block B und fünf aus Block C in unser Standortzwischenlager gebracht, wo jetzt 25 CASTORen stehen. Auch für dieses Jahr sind im Frühjahr in Block B und im Spätherbst in Block C Beladekampagnen mit je drei CASTORen geplant.

Umfangreiches Modernisierungsprogramm gestartet – längere Revisionszeiten
Die Voraussetzung für Akzeptanz und Vertrauen, die uns für den Betrieb des Kraftwerks entgegengebracht werden, sind nur durch ein Höchstmaß an Sicherheit zu erreichen und zu bewahren. Diesem Anspruch wollen wir durch ein umfangreiches Modernisierungsprogramm gerecht werden, das im Rahmen der großen Jahresrevision von Block B im Sommer beginnt. Zwei zentrale Projekte sind aktuell in Arbeit:
1. Der Kraftwerksbetrieb wird in einem mehrjährigen Prozess auf digitale Leittechnik umgerüstet. Davon betroffen sind die Steuerungen für die Hauptkühlmittelpumpen ebenso wie die Steuerungs- und Überwachungstechnik in den Leitständen.
2. Wir wollen die Kondensatreinigung modernisieren und erneuern, also die Reinigungsstraßen, über die der kondensierte Dampf nach seiner Arbeit in der Turbine im Kühlmittelkreislauf zum Reaktor zurückgeführt wird. Sinn der Maßnahme ist, Ablagerungen und Korrosionsprodukte, wie sie in allen Wasser führenden, geschlossenen Rohrleitungssystemen während des Betriebs entstehen, zu entfernen und so die Effizienz der Reinigung zu erhöhen. Dies erfolgt in einem ersten Teilprojekt während der Revision. Die Vorarbeiten haben bereits begonnen.

Die geplanten Modernisierungsprojekte werden natürlich auch Auswirkungen auf die Revisionsdauer der beiden Blöcke haben, die sich in den kommenden Jahren verlängern werden.

Dass wir schon tatkräftig am Werk sind, zeigt unser neues, modulares Verwaltungsgebäude, das Ende letzten Jahres bezogen werden konnte. Dort sind 26 Arbeitsplätze in erster Linie für die mit den Modernisierungsmaßnahmen betrauten Mitarbeiter eingerichtet worden. Auch wurde der Bau zusätzlicher Lager- und Werkstatthallen begonnen, unter anderem um Material für die Modernisierungsmaßnahmen zu lagern und vorzumontieren.

Einstellungen auch in Krisenzeiten
Die Wirtschaftskrise hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt. Es ist deshalb eine umso erfreulichere Nachricht, dass wir auch 2009 wieder Mitarbeiter eingestellt haben, um Abgänge aus der Stammmannschaft auszugleichen. Mit den 38 „Neuen“ konnte die Zahl der KGG-Beschäftigten Ende letzten Jahres mit rund 780 konstant gehalten werden, hinzu kommen Praktikanten und Diplomanden.

Erfreuliche Nachrichten gibt es ebenfalls aus unserem Ausbildungsbereich. Mit aktuell 43 Auszubildenden haben wir auch hier einen neuen Rekord aufgestellt. Zehn junge Leute haben 2009 ausgelernt – dem stehen 13 Neueinstellungen gegenüber. In diesem Jahr werden 12 Auszubildende ihre Lehre beenden – jedoch 14 neue eingestellt, so dass die Zahl der Auszubildenden weiter steigt. Die frühzeitige Einstellung junger qualifizierter Mitarbeiter ist ein wichtiger Eckpfeiler für einen lückenlosen Know-how-Transfer. In diesem Jahr sind deshalb weitere rund 30 Neueinstellungen geplant, so dass der Generationswechsel dann weitgehend geschafft ist, zumal die Anzahl der Mitarbeiter, die von der aktiven in die passive Phase der Altersteilzeit wechseln, stark abnimmt. Um dem Nachwuchs die für unsere Anlage notwendigen Spezialkenntnisse zu vermitteln, sind intensive Schulungen und ein breites Fortbildungsangebot unerlässlich. Dazu zählen sowohl die kerntechnische Fachkundeausbildung mit behördlicher Prüfung an der Fachhochschule Ulm als auch die Ausbildung und laufende Wiederholungsschulungen des schichtgehenden Wartenpersonals im Simulatorzentrum Essen. Wir laden Sie gerne ein, das Zentrum in Essen zu besuchen, um sich vor Ort einen Eindruck von der Schule zu machen. Dass Essen in diesem Jahr Kulturhauptstadt ist, könnte so einen Besuch umso reizvoller machen.

Erfolgreicher Arbeits- und Gesundheitsschutz – so wenig Arbeitsunfälle wie noch nie
Sicherheit hat in einem Kernkraftwerk oberste Priorität – dass wir diese Aussage so stark in den Vordergrund rücken, hat mit unserer Sicherheitskultur zu tun. Sicherheit hat dabei zwei Komponenten: die technische und die menschliche. Übersetzt heißt das: Für uns ist der sichere Betrieb der Anlage ebenso wichtig wie die Gesundheit unserer Mitarbeiter. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Denn wir tragen die Verantwortung dafür, dass die Mitarbeiter genauso gesund heimkehren, wie sie zur Arbeit gekommen sind. Das sind in normalen Zeiten immerhin rund 1.200 Menschen, und in Spitzenzeiten von Revisionen können sogar bis zu 3.000 Menschen auf unserer Anlage sein. Wir haben unsere Anstrengungen im Bereich des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, vor allem auch beim Fremdpersonal, systematisch verstärkt. Dazu zählt die für externe Auftragnehmer zwingend vorgeschriebene Vorlage eines Arbeitssicherheitspasses, in dem alle einschlägigen Qualifikations- und Schulungsnachweise ihrer Mitarbeiter dokumentiert sein müssen und ohne den es keinen Zutritt mehr zu unserem Gelände gibt, ebenso wie die konsequente Kontrolle zur Einhaltung der Arbeitssicherheitsvorschriften durch Vorgesetzte im Kraftwerk. Laufend finden Sicherheits- und Technikschulungen statt, die für unsere Mitarbeiter ebenso bindend sind wie für die externen Beschäftigten. Insgesamt hat das zu einem wesentlichen Sicherheitsgewinn in Sachen Arbeits- und Gesundheitsschutz geführt. Das Resultat: Wir haben noch nie so wenige Arbeitsunfälle sowohl beim Eigen- als auch beim Fremdpersonal gehabt wie 2009. Bei den eigenen Mitarbeitern sank die Zahl gemäß der international gebräuchlichen LTI-Darstellung2 im Vergleich zum Vorjahr um exakt die Hälfte auf drei Unfälle und beim Fremdpersonal sogar um rund 80 Prozent auf fünf Unfälle. Ich kann Ihnen versichern: Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen, um die Arbeitsunfälle in unserer Anlage zu minimieren. Ein zusätzliches Augenmerk werden wir auf die Eigenverantwortlichkeit unserer Mitarbeiter bei ihrem Weg von und zur Arbeit legen. Denn auch jeder Wegeunfall ist einer zuviel.




1 ein Pkw stößt laut Kraftfahrtbundesamt durchschnittlich 169,3 g CO2 je km aus; die zugrundeliegende Jahreskilometerleistung beträgt 12.000 km pro Jahr

2 Lost Time Incident = Anzahl der Arbeitsunfälle mit Ausfall mindestens einer achtstündigen Arbeitsschicht

 




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