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Gäste-Information zum 25. Kraftwerksgespräch - Kernkraftwerk Gundremmingen feiert Jubiläumsjahr 2009 mit Welt - und Produktionsrekord •Standort mit bestem Produktionsergebnis seit Betriebsbeginn •Block B produziert als erster Siedewasserreaktor der Welt

16.04.2010

Eine rundum positive Bilanz hat die Geschäftsleitung des Kernkraftwerks Gundremmingen vor rund 160 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Gesundheit- und Bildungswesen sowie Kultur und Medien beim 25. Kraftwerks¬gespräch am 16. April gezogen. Über 21,7 Milliarden Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugten die beiden 1.344-Megawatt-Blöcke B (10,9 kWh) und C (10,8 kWh) im Jubiläumsjahr 2009, soviel wie noch nie in ihrer 25-jährigen Betriebgeschichte. 2010 ging es gleich mit zwei Rekordmarken weiter. Block B überschritt am 18. Januar als erster Siedewasserreaktor der Welt die 250-Milliarden-Kilowattstunden-Erzeugungsmarke, und der Standort hat ebenfalls im Januar mit jeweils über einer Milliarde erzeugten Kilowattstunden pro Block das beste Monatsergebnis aller Zeiten erzielt. „Passend zum Betriebsjubiläum haben wir 2009 die alte Bestmarke von 2006 um 44 Millionen Kilowattstunden übertroffen. Das ist der großen Zuverlässigkeit und damit der hervorragenden Verfügbarkeit der Anlage von durchschnittlich 92 Prozent zu verdanken. Auch seit Jahresbeginn laufen beide Blöcke hervorragend“, erläuterte
Dr. Helmut Bläsig, technischer Geschäftsführer des Kernkraftwerks Gundremmingen. „Ohne die hohe Ausbildungs- und Sicherheitskultur unserer Kraftwerksmitarbeiter wären solche ausgezeichneten Produktionsergebnisse nicht erreichbar“, so Bläsig weiter; „Gundremmingen ist eine der tragenden Säulen im bayerischen Energiemix. Knapp
30 Prozent kohlendioxidfreien Strom trägt Gundremmingen zur Stromerzeugung Bayerns bei.“

Neben den Rekordzahlen standen bei dem Kraftwerksgespräch vier Themenkomplexe im Mittelpunkt:

1. Start des umfangreichen Modernisierungsprogramms

2. Personelle Zukunftssicherung – sinkende Unfallzahlen

3. Gute Regelfähigkeit unterstützt Ausbau der Regenerativen

4. Smart Energy – Zukunft einer effizienteren Energieversorgung


1. Modernisierungsprogramm gestartet
„Voraussetzung für Akzeptanz und Vertrauen, die uns für den Betrieb des Kraftwerks entgegengebracht werden, sind nur durch ein Höchstmaß an Sicherheit zu erreichen und zu bewahren. Diesem Anspruch werden wir durch unsere geplanten Modernisierungsmaßnahmen gerecht, so dass aus sicherheitstechnischer Sicht einer Laufzeit von 60 Jahren nichts entgegen steht“, führte Kraftwerkschef Helmut Bläsig aus. Er ergänzte, dass das Paket in mehreren Teilprojekten abgearbeitet wird. So werden etwa während der Revisionen maschinentechnische Komponenten wie Behälter, Rohrleitungen und Armaturen erneuert, an denen im laufenden Betrieb nicht gearbeitet werden kann. Die Modernisierungen werden sich über mehrere Jahre hinziehen, so dass sich die Revisionsstillstandszeiten spürbar verlängern. Die für Sommer geplante Revision in Block B wird deshalb mindestens sechs Wochen beanspruchen. Dort soll die erste von vier Kondensatreinigungsstraßen, also die Reinigungsstraßen, über die der kondensierte Dampf nach seiner Arbeit in der Turbine im Kühlmittelkreislauf zum Reaktor zurückgeführt wird, modernisiert und erneuert werden. Entsprechende vorbereitende Arbeiten laufen bereits.
Ein weiteres über mehrere Jahre laufendes Modernisierungsprojekt ist die Umrüstung des Kraftwerksbetriebs auf digitale Leittechnik. Davon betroffen sind die Steuerungen für die Hauptkühlmittelpumpen ebenso wie die Steuerungs- und Überwachungstechnik in den Leitständen. „Eine erste Umsetzung haben wir in einer unserer Nebenleitwarten begonnen“, erklärte Bläsig.


CASTOR-Handhabungen 2009 und 2010
In dieser Woche hat die erste von zwei geplanten Beladekampagnen mit drei CASTORen im Block B begonnen. Im Spätherbst sollen drei weitere in Block C beladen werden, so dass am Jahresende 31 CASTORen mit insgesamt 1.612 verbrauchten Brennelementen gut geschützt und sicher eingelagert im Standortzwischenlager stehen „2009 haben wir in drei Beladekampagnen drei Behälter aus Block B und fünf aus Block C in das Standortzwischenlager gebracht“, erklärte Bläsig.
Zu den im vergangenen und in diesem Jahr aufgetretenen meldepflichtigen Ereignissen führte Bläsig aus, dass im vergangenen Jahr vier und in diesem Jahr zwei meldepflichtige Ereignisse fristgerecht der Aufsichtsbehörde, dem Bayerischen Umweltministerium, gemeldet wurden – je drei für Block B und Block C. Alle wurden ausnahmslos entsprechend der 1992 eingeführten, siebenstelligen Internationalen Nuklearen Ereignisskala (INES) der niedrigsten Stufe 0 zugeordnet; gemäß dem deutschen Meldesystem wurden sie alle in die Kategorie N (normal) eingestuft. Auch die Öffentlichkeit wurde zeitnah auf den Internetseiten des Kraftwerks informiert.
Die strahlenschutztechnische Überwachung des Kraftwerks und seiner Umgebung erfolgte an über 100 Messpunkten und Probeentnahmestellen rund um die Uhr. Die kraftwerkseigenen und unabhängigen Messstellen erfassen cirka 2.000 radiologische Messwerte pro Jahr. Sie wurden ausnahmslos von der zuständigen Landesbehörde, dem Landesamt für Umwelt in Augsburg, geprüft. Ergebnis: Die von der Anlage abgeleiteten Emissionen über Fortluft wie Edelgase, Jod oder Aerosole unterschreiten die zulässigen Grenzwerte jederzeit deutlich; sie liegen größtenteils zwischen 0,0 (da nicht mehr messbar) und 0,6 Prozent der behördlich festgelegten Grenzwerte. Die Tritiumwerte in Fortluft und Abwasser lagen zwischen 2,2 und 8,0 Prozent der behördlichen Genehmigungswerte. Die stündlich aktualisierten Mittelwerte der kontinuierlich erfassten Umgebungsstrahlung, die aus 21 Messungen an 17 behördlichen Messstandorten rund um das Kernkraftwerk erhoben werden, sind jederzeit im Internet über die Seiten des Landesamtes für Umwelt unter http://inters.bayern.de/kfue/station_kfue.htm einzusehen. Die behördlich überwachte, effektive Jahresdosis in der Umgebung des Kraftwerksstandorts betrug circa fünftausendstel Milli-Sievert (0,005 mSv/a). Da dieser Wert nicht mehr messbar ist, wurde er von der Behörde rechnerisch ermittelt. Zum Vergleich: Die jährliche effektive Dosis aus der natürlichen Strahlung in Deutschland liegt bei durchschnittlich 2,1 Milli-Sievert. „Bei jedem längeren Ferienflug nimmt der Reisende eine deutlich höhere Strahlendosis auf, als unsere jährlichen Gesamtemissionen im ungünstigsten Fall betragen“, erklärte Bläsig.

2. Personelle Zukunftssicherung – sinkende Unfallzahlen
Mit rund 1.200 Beschäftigten, davon rund 830 eigenes Stammpersonal und rund 375 dauerhaft beschäftigtes Fremdpersonal, bleibt das Kernkraftwerk Gundremmingen einer der großen, krisenfesten Arbeitgeber in der Region. Zudem sichert der Standort weitere gut 1.000 Arbeitsplätze bei externen Dienstleistungsunternehmen und Zulieferern in Bayerisch-Schwaben. Im laufenden Jahr wird das Kraftwerk rund 30 Mitarbeiter einstellen. 2009 waren 38 Stellen neu besetzt worden. Im Bereich Ausbildung ist im Jubiläumsjahr mit 43 Auszubildenden ein neuer Höchststand erreicht worden. Alle 14 freiwerdenden Ausbildungsplätze werden wieder besetzt. „Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise: Wir bleiben wir ein solider Arbeitgeber sowohl für feste Mitarbeiter als auch für Auszubildende“, bekräftigte Bläsig.
Ausgezeichnet entwickelt hat sich auch die Verringerung der Arbeitsunfälle im Kraftwerk: Konsequente Schulungen zur Arbeitssicherheit und kontinuierliche Kontrollen vor Ort zur Einhaltung der Arbeitssicherheitsvorschriften durch Vorgesetzte haben zu einer Halbierung der Arbeitsunfälle bei den eigenen Mitarbeitern geführt. Die zwingend vorgeschriebene Vorlage eines Arbeitssicherheitspasses für externe Auftragnehmer, in dem alle einschlägigen Qualifikations- und Schulungsnachweise der Mitarbeiter dokumentiert sein müssen und ohne den es keinen Zutritt mehr zum Kraftwerksgelände gibt, führte bei externem Fachfirmenpersonal sogar zu einer Verringerung der Unfälle um rund 80 Prozent.

Kernkraftwerk – ein stabiler Wirtschaftsfaktor
Die am Standort Beschäftigten verfügen über ein Kaufkraftvolumen von fast 60 Millionen Euro, das vorwiegend in der Region bleibt. Das gilt auch für die etwa 3,5 Millionen Euro, die das Revisionspersonal, das bis zu 2.000 Personen umfasst, jährlich für Übernachtung, Verpflegung und Freizeitgestaltung aufwendet. „Wir bleiben der starke Partner der Region. 2009 betrug unser Bestell- und Auftragsvolumen für kontinuierliche Optimierungen, vorbeugende Instandhaltungs- und vorausschauende Erneuerungsmaßnahmen über 100 Millionen Euro. Die beiden Revisionen von Block B und Block C schlugen mit 20 bzw. 30 Millionen Euro zu Buche“, erläuterte Dr. Michael Steichele, stellvertretender kaufmännischer Geschäftsführer des Kernkraftwerks Gundremmingen. „Von unserem Bestell- und Auftragsvolumen sind fast 50 Millionen Euro in der Region Schwaben abgerechnet worden. Das ist kein Zufall, sondern vielmehr Konsequenz unserer Maxime, bei gleichwertigen Angeboten Unternehmen aus der Region zu beauftragen. Wir halten das nur für fair – und wir werden das auch weiter so handhaben“, betonte Steichele. „Wir werden auch 2010 wieder kräftig investieren. Schon jetzt sind Ausgaben von deutlich über 200 Millionen Euro für das laufende Jahr geplant, davon allein rund 50 Millionen Euro für Revisionen sowie Ausbau- und Modernisierungsmaßnahmen“, rechnete Steichele vor.

3. Gute Regelfähigkeit unterstützt Ausbau der Regenerativen
Einen Blick in die Zukunft öffnete Steichele, als er das RWE-Zukunftsprojekt ADELE (Adiabater Druckluftspeicher für die Elektrizitätsversorgung) vorstellte: „Wir wollen nicht die Probleme der stark schwankenden Stromeinspeisung von bis zu 20.000 Megawatt und mehr durch erneuerbare Energien beklagen, sondern Lösungen zu einem Miteinander von Kernenergie und Erneuerbaren voranbringen. Dazu zählen wir auch ADELE, mit dessen Hilfe Strom sicher, effizient und in großen Mengen gespeichert werden soll. Stromspeicherung für den Zeitpunkt, wenn ihn der Kunde tatsächlich benötigt, ist eine der größten Herausforderungen für die Stromversorgung der Zukunft. Deshalb haben sich RWE gemeinsam mit General Electric, Züblin und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt daran gemacht, eine gangbare Lösung in Form der Druckluftspeicherung zu finden“, erklärte Steichele.

Ein weiterer Brückenpfeiler in die gemeinsame Zukunft von Erneuerbaren und Kernenergie ist die große Regelfähigkeit von Kernkraftwerken. Steichele machte das an einem plastischen Beispiel deutlich: „An den Weihnachtsfeiertagen, als sehr viel Windenergie ins Stromnetz eingespeist wurde, jedoch nur geringer Bedarf herrschte, haben die beiden Gundremminger Blöcke ihre Leistung kurzfristig um insgesamt 30 Prozent, rund 800 Megawatt, abgesenkt und damit zur Netzstabilität beigetragen. Auch wenn Kernkraftwerke aus wirtschaftlichen Gründen überwiegend im Dauerbetrieb mit voller Leistung eingesetzt werden, sind sie von Haus aus so konzipiert, dass sie jederzeit ihre Stromproduktion schnell drosseln und erhöhen können“. Steichele weiter: „So können sie helfen, die vor allem durch den Wind verursachten Schwankungen aufzufangen. Auch das zeigt, wie wichtig die Kernenergie für den Energiemix in Deutschland ist.“

4. Smart Energy – Zukunft einer effizienteren Energieversorgung
Einen Blick in eine effizientere Energieversorgungs-Zukunft wagte auch Paul Waning, Vorstand der Lechwerke AG, dem großen regionalen Energieversorger in Bayerisch-Schwaben. „Ein wesentlicher Baustein zur Energie sparenden Smart Energy ist die Entwicklung der Smart Meter, einer neuen Generation von intelligenten, Computer gesteuerten Strommessgeräten“, erklärte Waning. Diese neuartigen Strommessgeräte arbeiten und steuern wesentlich komplexer, als der seit Jahrzehnten bekannte Stromzähler. Sie ermöglichen den Kunden künftig die Visualisierung ihres Energieverbrauchs. Mit dieser Technik kann der Stromkunde energieintensive Geräte identifizieren und gegebenenfalls ihren Gebrauch auf andere Einsatzzeiten, in denen Strom günstiger zu beziehen ist, verlegen. Waning betonte, dass dies dazu beitragen wird, bewusster und effizienter mit Energie umzugehen. Die neue Netz-Technologie wird durch die Registrierung von Ausfallzeiten und Veränderungen in der Spannungsqualität helfen, die von erneuerbaren Stromeinspeisungen verursachten Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Damit das Ganze auch praktisch funktioniert, müssen künftig alle tatsächlich relevanten Energieverbraucher miteinander vernetzt werden, so dass sie über Steuer- und Regelinstrumente ansteuerbar sind und auch miteinander kommunizieren können.
Waning kündigte an, dass die Lechwerke ein Set unter dem Produktnamen Smart Home anbieten werden, mit dem elektronisch z.B. Elektrohaushaltsgeräte und auch die Beleuchtung und sogar Heizungsventile ferngesteuert ein- und ausschaltet werden können.

 

Veranstalter und hochrangige Gäste freuten sich vor dem neuen Strahlenschutzmessfahrzeug gemeinsam über das informative Kraftwerksgespräch, das das Kernkraftwerk Gundremmingen heuer zum 25. Mal veranstaltete(von links): Dr. Michael Steichele, stv. kaufmännischer Geschäftsführer des Kernkraftwerks Gundremmingen, Wolfgang Schenk, 1. Bgm. der Stadt Lauingen, Paul Waning, Mitglied des Vorstandes der Lechwerke AG Augsburg, Matthias Kraut, 1. Bgm. der Gemeinde Sontheim, Wolfgang Mayer, 1. Bgm. der Gemeinde Gundremmingen, Dr. Helmut Bläsig, Technischer Geschäftsführer des Kernkraftwerks Gundremmingen, Alfred Sauter, Mitglied des Landtages, Hubert Hafner, Landrat des Landkreises Günzburg, Christian Konrad, 1. Bgm. der Stadt Leipheim, Thomas Wörz, 1. Bgm. der Gemeinde Offingen, Roland Kempfle, 1. Bgm. der Gemeinde Burtenbach, Kurt Kober, Vorstandsvorsitzender der AL-KO Kober AG, Erhard Friegel, 1. Bgm. der Gemeinde Holzheim, Jürgen Kopriva, 1. Bgm. der Gemeinde Aislingen.
Foto: Jan Kiver, Kernkraftwerk Gundremmingen, 2010 Bgm.

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