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Wissenschaftliche Spielregeln beachten

24.11.2011

Die neue Ausgabe der Nachbarschaftszeitschrift MW, die Mitte Dezember verteilt wird, bietet wieder ein breites Angebot, um die Menschen in der Umgebung zu Themen rund um das Kraftwerk und aus der Energiewirtschaft zu informieren. Der Jahreszeit angemessen ist ein Schwerpunkt der neuen MW das Thema Licht. Auch werden Innovationen aus dem Bereich Braunkohle vorgestellt.

Der Fokus wird zudem auf das Thema Strahlenschutz gerichtet. Wie werden Grenzwerte für die Ableitung radioaktiver Stoffe festgelegt? Schützen diese Grenzwerte auch wirklich verlässlich die Gesundheit aller Bevölkerungsgruppen? Diese und andere Fragen beantwortet Jürgen Kopp. Er ist Medizinphysiker und Vorsitzender des Medizinausschusses der Strahlenschutzkommission (SSK). Die SSK berät die Bundesregierung bei der Bewertung von Auswirkungen aller Arten von Strahlung auf die Menschen. Jürgen Kopp leitet am Klinikum Augsburg die Stabsstelle Medizinische Physik und Strahlenschutz. Lesen Sie hier vorab das Interview mit Jürgen Kopp.


Ist die von IPPNW genannte 500-fache Erhöhung der Edelgasableitungen eine Gefahr für die Gesundheit der Menschen in der Umgebung des Kraftwerks?

Jürgen Kopp: „Für die Abschätzung von möglichen Strahlenbelastungen ist der Absolutwert entscheidend. Wenn relative Angaben gemacht werden, sollten sich diese an den Grenzwerten orientieren. Üblicherweise werden Jahresgrenzwerte angegeben. Diese können, z.B. bei Kernkraftwerken, auch auf einen entsprechenden Wert pro Tag umgelegt werden. Von diesem Tagesgrenzwert wurden im konkreten Fall rund 15% ausgeschöpft. Hinzu kommt noch, dass es sich bei den Nukliden um Edelgase handelte, die bei Einatmung nur kurzzeitig aufgenommen werden und sich nicht im Körper ansammeln. Die hierdurch verursachten und aus ungünstigen Abschätzungen resultierenden Dosen liegen unterhalb der Schwankungsbreite der natürlichen Strahlendosis in der Umgebung des Kraftwerks. Damit ist auch erklärbar, warum sich die Ortsdosiswerte der Umgebungsüberwachung überhaupt nicht verändert haben.
Es gibt in Bayern viele Gebiete, in denen die Radioaktivität tatsächlich deutlich höher ist als in Gundremmingen, z.B. in Mittelgebirgen wie dem Bayerischen Wald. Das hat jedoch natürliche Ursachen und wird in erster Linie durch das radioaktive Edelgas Radon verursacht. Die Strahlenexposition nimmt auch mit der Höhe zu, z.B. bei Flugreisen oder Bergwanderungen. Hier ist Strahlung aus dem Weltraum die Ursache. Auf der Zugspitze ist die Strahlenexposition etwa vierfach höher als im Umland von Gundremmingen.“


In Deutschland gibt es Grenzwerte, die bestimmen, wie viel Radioaktivität von einem Kernkraftwerk in die Umgebung abgeleitet werden darf. Wer legt diese Werte fest und auf welcher Basis passiert das?

Jürgen Kopp: „Grundsätzlich werden Grenzwerte im Bereich der Anwendung ionisierender Strahlung auf der Basis einer Vielzahl von wissenschaftlichen Erkenntnissen bestimmt. Im Fall der Grenzwerte für den Menschen sind hier neben den Forschungsergebnissen der Strahlenbiologie die Anwendungen in der Medizin und die Ergebnisse epidemiologischer Forschung zu nennen. Die Ergebnisse werden kontinuierlich national und international diskutiert. Hier ist die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) wesentlich beteiligt.
Neue Erkenntnisse gelangen in der EU über die grundlegenden Sicherheitsstandards in Normen, zu deren Übernahme die Mitgliedsstaaten verpflichtet sind. In Deutschland geschieht dies in der Strahlenschutzverordnung. Die Umsetzung und Überwachung ist Aufgabe der einzelnen Bundesländer. Sie erlassen z.B. für Kernkraftwerke Grenzwerte, deren Einhaltung die Sicherheit für den Menschen gewährleistet.“


Schützen die heute gültigen Grenzwerte die Bevölkerung ausreichend, und gilt das auch für Schwangere?

Jürgen Kopp: „Es ist ein wesentlicher Bestandteil der Wissenschaft, kritisch zu sein und den Stand der Erkenntnisse in Frage zu stellen. Sonst wäre kein Fortschritt und kein neuer Erkenntnisgewinn möglich. Hierzu sind jedoch wissenschaftliche Spielregeln zu beachten. Nicht bewiesene Theorien – wie hier von IPPNW vertreten – müssen klar als solche bezeichnet werden.
Aufgabe der Wissenschaft ist es, den Menschen die Vorgänge der Natur zu erklären und ihre Abläufe zu verstehen, nicht Menschen zu verunsichern. Es darf nicht vergessen werden, dass ionisierende Strahlung in der Medizin täglich Menschenleben rettet. Die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler, die auf dem Gebiet der ionisierenden Strahlung arbeitet, ist davon überzeugt, dass die heutigen Grenzwerte eine Gesundheitsgefahr durch den Betrieb von Kernkraftwerken ausschließen. Das gilt auch für Schwangere oder Kinder.“

 

Jürgen Kopp ist Vorsitzender des Medizinausschusses in der Strahlenschutzkommission (SSK), die die Bundesregierung zu den Auswirkungen von Strahlung auf den Menschen berät. Foto: Klinikum Augsburg.

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