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Jahrespressegespräch - Statement Dr. Heiko Ringel (technischer Geschäftsführer)

11.04.2018

– Es gilt das gesprochene Wort –
Sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen zum diesjährigen Pressegespräch hier im Kernkraftwerk Gundremmingen.
Als ich im Januar als technischer Geschäftsführer hier im Kernkraftwerk Gundremmingen anfing, war klar: das wird nicht irgendein Job. Mir ist weltweit kein anderes Kernkraftwerk bekannt, in dem ein 1.300 MW-Block Strom erzeugt, während ein baugleicher Block im Nebengebäude zurückgebaut wird. Das erfordert technisches Verständnis, aber auch Gespür für die Mitarbeiter. Denn deren Arbeitsalltag verändert sich mit dem Parallelbetrieb völlig. Den Kraftwerksbetrieb in dieser Phase zu leiten ist eine der spannendsten Aufgaben, die ich mir vorstellen kann.
Gemeinsam mit meiner Kollegin Gabriele Strehlau, der kaufmännischen Geschäftsführerin des Kernkraftwerks, möchte ich Ihnen heute über den Kraftwerksbetrieb und über wichtige Meilensteine im zurückliegenden Jahr 2017 berichten. Wir beschreiben ihnen, welche Aufgaben 2018 noch vor uns liegen. Und selbstverständlich beantworten wir Ihnen anschließend gern Ihre Fragen.

19,6 Mrd. KWh Strom erzeugt und das Netz stabilisiert
2017 haben unsere Blöcke B und C insgesamt rund 19,6 Milliarden Kilowattstunden Strom CO2-frei erzeugt. Das waren rund 200 Millionen Kilowattstunden mehr als im Vorjahr. Mit der erzeugten Strommenge könnte man rund 5,6 Millionen deutsche Durchschnittshaushalte ein Jahr lang klimafreundlich mit Strom versorgen. Doch unsere Anlage hat nicht nur zur Versorgungssicherheit beigetragen. Zur Stabilisierung des Netzes haben die Blöcke 2017 auf Anforderung des Lastverteilers auch 56-mal ihre Leistung kurzfristig um bis zu 50 Prozent reduziert. Mit unserer flexiblen Fahrweise haben wir geholfen, die wetterbedingt schwankende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bestmöglich mit der Stromnachfrage in Einklang zu bringen, damit Verbraucher lückenlos mit Strom versorgt werden.
Block B endgültig abgeschaltet
Wir haben Block B entsprechend der Laufzeitregelung des Atomgesetzes am 31. Dezember 2017 um 12 Uhr endgültig vom Netz genommen. Von seiner Inbetriebnahme im März 1984 bis zu seiner Abschaltung hat Block B gut 330 Milliarden Kilowattstunden Strom CO2-frei erzeugt. Das entspricht mehr als der Hälfte des Jahresstromverbrauchs von ganz Deutschland.
Block C ist aktuell im Leistungsbetrieb und befindet sich wenige Tage vor der anstehenden Revision mit Brennelemente-Wechsel in der Endphase seines Produktionszyklus.
2017 hatten wir auch einige Herausforderungen.
Abweichung in Qualitätssicherung
Ende 2017 wurde das Kernkraftwerk Gundremmingen darüber informiert, dass es bei der Herstellung einzelner Brennstäbe zu Abweichungen in der Qualitätssicherung gekommen sei. Die nähere Untersuchung ergab, dass einer der rund 70.000 im Reaktor von Block C eingesetzten Brennstäbe zu der betroffenen Charge gehört. Der nach der Kontroll-Auswertung des Herstellers einzige betroffene Brennstab im Reaktorkern befindet sich in einem Vorläufer-Brennelement, das seit 2012 im Einsatz ist.
Messwerte deuten auf Brennelement-Defekt hin
Aktuell weisen Messwerte der Betriebsüberwachung von Block C auf einen Brennelementdefekt hin. Darüber haben wir die Aufsichtsbehörde informiert und in unserem Betriebsbericht darauf hingewiesen. Unsere Anlage ist für einen sicheren Betrieb auch mit Brennelementdefekten technisch ausgelegt.
Bei der im April anlaufenden Revision werden wir im sogenannten Sipping-Verfahren alle 784 Brennelemente im Reaktorkern überprüfen. Sollte tatsächlich ein Brennelement defekt sein, können wir es so lokalisieren, um es anschließend auszutauschen. Auf die Revision komme ich gleich noch zurück.

Die meldepflichtigen Ereignisse 2017 hatten geringe sicherheitstechnische Bedeutung
2017 gab es im Kernkraftwerk Gundremmingen zwei meldepflichtige Ereignisse. Wir haben das Bayerische Umweltministerium und die Öffentlichkeit jeweils fristgerecht und transparent informiert. Wenn Sie die Details noch einmal nachlesen wollen: Die Pressemitteilungen dazu finden Sie auf unserer Website. Beide Ereignisse wurden auf der internationalen Skala zur Bewertung von Vorkommnissen (INES) der Stufe 0 zugeordnet. Das bedeutet, sie hatten keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung. Eine Gefährdung des Personals, der Umgebung oder der Anlage war in keinem Fall damit verbunden.

Alle Grenzwerte eingehalten: Bilanz der Ableitungen 2017
Wie Sie auf diesem Bild sehen, haben wir die behördlichen Emissionsgrenzwerte wie in den Vorjahren auch 2017 sicher eingehalten. Als Kernkraftwerk stehen wir rund um die Uhr auf dem Prüfstand der Aufsichtsbehörde, die unsere Fortluft mit eigenen Messgeräten in Echtzeit analysiert. Auch unsere Wasserableitung in die Donau wird behördlich überwacht. Daran wird sich nach der Abschaltung unserer beiden Blöcke nichts ändern. Denn wir bleiben während der gesamten Abbauphase eine kerntechnische Anlage. Das Datenblatt zu den Ableitungen auf unserer Internetseite werden wir daher auch in Zukunft regelmäßig aktualisieren.

Vorbereitungen für Rückbau von Block B laufen
In Block B haben wir im Januar mit den ersten Abbau-Vorbereitungen begonnen. Dabei haben wir unter anderem Betriebsmittel wie Wasserstoff entfernt, der bislang zur Kühlung des Generators eingesetzt wurde und nun nicht mehr benötigt wird. Das dient vor allem der Arbeitssicherheit während der geplanten Abbauarbeiten, deren Genehmigung durch das Bayerische Umweltministerium und das Bundesumweltministerium noch aussteht.
Zwischenzeitlich haben unsere Mitarbeiter Abschirm- und Setzsteinwände aus dem Maschinenhaus entfernt, die seit der Abschaltung keine Funktion mehr erfüllen und nicht fest mit der Anlage verbunden sind. Für diese Arbeiten war keine behördliche Abbaugenehmigung erforderlich. Den ersten ausgebauten und vom Landesamt für Umwelt freigegebenen Setzstein haben wir für Sie mitgebracht.
Der Abbau der nicht mit der Anlage verbundenen Wände erleichtert die internen Transportmöglichkeiten und macht die später abzubauenden Anlagenteile, etwa im Bereich der Turbine und des Kondensators, leichter zugänglich.
Einen weiteren Meilenstein haben wir mit der Entladung des Reaktordruckbehälters erreicht. Der Reaktorkern im Block B ist seit 26. März 2018 brennstofffrei. Seit Mitte März haben Mitarbeiter die 784 Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter in das Abklingbecken gesetzt. Dort werden sie gekühlt, bis sie in CASTOR-Behälter geladen und ins Zwischenlager abtransportiert werden.

Arbeitssicherheit bleibt im Fokus
Kommen wir zu einem Thema, das mir besonders am Herzen liegt: der Arbeitssicherheit. Um die zu messen, verwenden wir die sogenannte LTIF-Kennziffer. Die setzt Unfälle mit anschließender Krankmeldung ins Verhältnis zu 1 Million geleisteten Arbeitsstunden. Mit einem Wert von 1,5 lagen wir 2017 erneut deutlich unter dem Durchschnitt der Industrie. Leider beendete Ende Juni ein Arbeitsunfall eine neunmonatige Periode ohne unfallbedingte Krankmeldungen. Zwei weitere Unfälle folgten im August. Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen: Es reicht, sich beim Stolpern das Knie zu verdrehen oder sich beim Reinigen der Werkbank an einem Metallgrat zu schneiden. Wenn der Mitarbeiter am Tag darauf verletzungsbedingt ausfällt, erfassen wir das uns zeigen das in unserer LTIF-Kennziffer. Ich versichere Ihnen, hier werden wir am Ball bleiben. Egal, ob wir im Leistungsbetrieb sind oder eine Anlage abbauen. Mit Blick auf die Arbeitssicherheit optimieren wir unsere Abläufe immer wieder. Und wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter und die Partnerfirmen immer wieder für mögliche Unfallquellen.

Standortzwischenlager: Zehn CASTOREN eingelagert
In der Zeit vom Mai 2017 bis März 2018 haben wir am Standort drei CASTOR-Beladekampagnen abgeschlossen. Dabei haben wir insgesamt zehn CASTOR-Behälter mit abgebrannten Brennelementen aus den Lagerbecken der Blöcke B und C beladen und ins Standort-Zwischenlager verbracht. Dort sind inzwischen 58 der 192 genehmigten Stellplätze mit beladenen CASTOREN belegt. Die Verantwortung für das fachgerechte Verladen des radioaktiven Materials und für den Transport ins Standortzwischenlager liegt auch in Zukunft bei uns.
Hingegen wechselt die Verantwortung für alle Standort-Zwischenläger in Deutschland mit dem 1. Januar 2019 zu der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung - BGZ. Auch für das Standortzwischenlager Gundremmingen ist ab 2019 die BGZ verantwortlich. Dazu gleich mehr von Frau Strehlau.

Block C erwartet Revision mit Brennelementwechsel
Im Block C steht ab Mitte April eine Revision mit Brennelementwechsel an. Dafür investieren wir 15 Millionen Euro. Zur Revision erwarten wir mehrere hundert Mitarbeiter unserer Partnerfirmen als Verstärkung hier am Standort. Wir fahren die Anlage in der nächsten Woche ab. Mit dem Brennelementwechsel kommen erstmals 48 Brennelemente eines neuen Typs zum Einsatz – hier im Bild rechts zu sehen. Wir haben Sie dazu bereits in unserem Betriebsbericht informiert. Neben dem Brennelement-Wechsel nehmen wir wiederkehrende Prüfungen und routinemäßige Wartungsarbeiten an Anlagenkomponenten und Sicherheitssystemen vor. Die Arbeiten sollen planmäßig Mitte Mai abgeschlossen sein.

Reststrommengen auf Block C übertragen
Meine Damen und Herren, laut Atomgesetz kann Block C bis zum 31. Dezember 2021 Strom produzieren, wenn er über ein ausreichend großes Stromkontingent verfügt. Die KGG und ihre Gesellschafter, die RWE Nuclear GmbH sowie die PreussenElektra GmbH, haben dem Bundesamt für Kerntechnische Entsorgungssicherheit Mitte Januar 2018 die Übertragung von Elektrizitätsmengen in Höhe von 31 Terawattstunden auf Block C angezeigt. Diese Menge stammt aus dem RWE-Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich. PreussenElektra hat parallel dazu 1 TWh aus seinem Kernkraftwerk Unterweser auf Block C im KKW Gundremmingen übertragen.
Mit dieser Menge kann Block C in jedem Fall bis Ende 2020 betrieben werden. Weitere Strommengen für das letzte Betriebsjahr werden noch übertragen.

Genehmigungsverfahren für den Abbau: Warten auf das OK
Im Genehmigungsverfahren für den Abbau von Block B steht die Ampel noch immer auf „Gelb“. Das Bayerische Umweltministerium prüft zusammen mit dem TÜV Süd als Gutachter weiterhin unseren Antrag. Dabei fließen auch Erkenntnisse aus dem Erörterungstermin vom März 2017 ein. Wir hoffen natürlich, möglichst bald grünes Licht für den Abbau nicht mehr benötigter Anlagenteile aus Block B zu bekommen. Wir haben uns lange und gründlich auf das Nebeneinander von Leistungsbetrieb und Rückbau vorbereitet. Wir sind bereit!
Wir bleiben im Dialog
Meine Damen und Herren, mehr als 5.000 Menschen haben im vergangenen Jahr unser Info-Zentrum besucht. Das macht uns stolz, denn es zeigt, wie groß das Interesse an unserer Arbeit ist. Parallel zum Genehmigungsverfahren für den Abbau von Block B haben wir 2015 die Informations-Initiative „Kernkraftwerk Gundremmingen transparent“ ins Leben gerufen. Unter diesem Titel organisieren wir seither Info-Veranstaltungen zum Kraftwerksabbau in den Nachbargemeinden sowie themenbezogene Fokustage hier im Info-Zentrum oder in der Anlage. Unser Ziel war es, etablierte Veranstaltungen wie das heutige Pressegespräch und das traditionelle Kraftwerksgespräch um Formate für die breite Öffentlichkeit und unterschiedliche Interessengruppen zu ergänzen. Und das ist uns gelungen.
Dabei war es äußerst hilfreich, dass wir durch Block A schon Abbau-Erfahrung haben, und dass wir im Technologiezentrum die Infrastruktur für die Behandlung und Entsorgung von demontierten Anlageteilen schon in Aktion zeigen können. Die Menschen nutzen unsere Informationsangebote. Sie stellen Fragen und machen sich vor Ort ein eigenes Bild. Wir fühlen uns in unserer Informationspolitik bestätigt. Transparenz und Dialogbereitschaft bleiben für uns die Grundfesten einer guten Nachbarschaft.
Und jetzt übergebe ich an Frau Strehlau.
Frau Kollegin, bitteschön.

 




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